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Diamanthandel

Der Handel mit Diamanten ist seit jeher ein kleiner und intimer Markt, in dem sich viele Marktteilnehmer persönlich kennen. Oft sind Handelsbeziehungen über Jahrzehnte, wenn nicht sogar über Generationen gewachsen. Vertrauen ist in der Branche die härteste Währung in einem Markt, der gerade mal ca. 18 Millarden Dollar im Jahr umsetzt.

Diamanthandel: Ein Beispiel

Für den Kauf eines Autos im Wert von mehreren Tausend Euro stellt man einen Kaufvertrag von mehreren Seiten aus. Für den Erwerb eines Hauses für mehrere Hundert Tausend Euro benötigt man einen noch umfassenderen, vom Anwalt ausgefertigten Kaufvertrag sowie einen Notar. In der Diamantbranche werden Geschäfte - auch von größeren Beträgen über eine Million Euro - per Handschlag besiegelt und abgewickelt. Dazu genügt ein Stück Papier mit dem Kaufpreis und der Beschreibung der Diamanten. Wie kann das sein? Da der Markt so klein ist, bedeutet Vertrauen alles und Fehlverhalten spricht sich über Nacht um. Ein Fehltritt oder unlautere Geschäftspraktiken werden mit dem Ausschluss aus den Geschäftsbeziehungen aller bestraft. Keiner würde mehr mit einem Betrüger Geschäfte machen, dieser könnte also von niemandem in der Branche mehr Diamanten kaufen.

Antwerpen

Eine herausragende Rolle in der Welt der Diamanten spielt die Stadt Antwerpen in Belgien. Mit über 500 Jahren Geschichte als Zentrum des Diamanthandels und des Diamantschleifens ist Antwerpen auch heute noch als globaler Knotenpunkt der Branche nicht wegzudenken:

  • 80% aller Rohdiamanten (nach Volumen) werden in Antwerpen gehandelt
  • Über 50% des Handels mit geschliffenen Diamanten läuft über Antwerpen
  • Und sogar ca. 40% aller Industriediamanten wechseln in der Stadt ihren Besitzer- Insgesamt sind ca. 26.000 Arbeiter der 500.000 Einwohner zählenden Stadt direkt oder indirekt in der Diamantbranche beschäftigt


Indien

Bis 1725 war Indien der einzige Fundort von Diamanten. Auch kommen die meisten der berühmtesten und größten Diamanten aus Indien. Seit den 1970er Jahren ist das Land zum Schleifzentrum der Welt aufgestiegen. Mittlerweile werden 90% aller Diamanten (nach Volumen) in Indien geschliffen. Nach Wert sind es immerhin noch 60% der weltweiten Produktion. Im Jahr 2011 hat Indien sogar mehr Diamanten importiert als weltweit abgebaut wurden.Über 800.000 Schleifer arbeiten in der Diamantindustrie in Indien. Zum Vergleich: In China und Thailand zusammen sind es lediglich ungefähr 40.000 Schleifer. Hintergrund dieses Aufstiegs mag zum einen Indiens mit Diamanten verwobene Vergangenheit sein. Sicher jedoch sind die günstigen Arbeitskosten dafür verantwortlich: Im Vergleich zu den USA kostet das Schleifen in Indien ungefähr nur ein Zehntel. Anfang der 1970er Jahre waren es vor allem kleine Diamanten, die in Surat geschliffen wurden. Im Laufe der Jahrzehnte hat sich allerdings eine große Industrie daraus entwickelt, die mittlerweile die Expertise hat, auch die feinsten Diamanten zu bearbeiten.

Der Handel an den Diamantbörsen

Weltweit gibt es über 30 Diamantbörsen an denen Rohdiamanten sowie geschliffene Diamanten gehandelt werden. Die sechs wichtigstens Zentren für Diamanten sind: Antwerpen, Dubai, New York, Hong Kong, Mumbai und Tel Aviv. Allein in Antwerpen gibt es vier Diamantbörsen, die die Stadt zum weltweit größten Umschlagsplatz der begehrten Edelstein machen. Neben den traditionellen Zentren ist vor allem die im Jahr 2002 gegründete und rasant wachsende Börse in Dubai interessant.



Ausblick: Entwicklungen in der Diamantbranche

Die technologische Entwicklung macht auch vor der Diamantbranche nicht halt. Die fortlaufende Digitalisierung führt zu einem sich immer schneller drehenden Markt. Angebot und Nachfrage sind durch die digitale Entwicklung genauer denn je im Preis wiedergegeben. Neue Geschäftsmodelle, die sich durch Onlinevertrieb, mehr Transparenz und einfache Vergleichbarkeit auszeichnen, zeigen einen weltweiten Trend. Aber mehr noch: Automatische Schleifmaschinen könnten der großen Schleifindustrie in Indien Konkurrenz machen und die Schleifereibetriebe wieder nach Europa holen. Die Bestimmung des Schliffs sowie der Proportionen wird heutzutage über optische Taster einfacher und exakter möglich als dies jemals der Fall war. Wird ein Rohdiamant bearbeitet, setzte man früher auf die Erfahrung eins langjährigen Experten. Heutzutage erstellen Computer 3D-Modelle des Rohdiamanten und errechnen die optimale Ausnutzung des Steins. Bedenkt man, dass ein Brillant ca. 60% seines Gewichts im Schleifprozess verliert, kann man erahnen, wie wichtig diese technischen Errungenschaften sind. Viele sehen selbst die Graduierung von Farbe und Reinheit bald automatisiert.